Gas kann grün

Regeneratives ERDGAS mit Power-to-Gas und Biomethan, Quelle: artJazz/iStock/Thinkstock

Regeneratives ERDGAS mit Power-to-Gas und Biomethan, Quelle: artJazz/iStock/Thinkstock

"Gas kann grün". Mit diesen drei Worten forderten neun Verbände der deutschen Gaswirtschaft und Heizungsindustrie Ende Oktober 2016 die Bundesregierung auf, das Innovationspotenzial der Gastechnologie anzuerkennen.

Der Appell wurde erhört. In ihrem Klimaschutzplan hat die Bundesregierung das Potenzial von Technologien wie Power-to-Gas für die Dekarbonisierung betont. Und sie hat sich verpflichtet, die "Erforschung, Entwicklung und Markteinführung von kostengünstigen und innovativen Technologien" voranzutreiben. Im Fokus stehen dabei vor allem zwei Ansätze: Power-to-Gas und Biomethan.

Wind zu Gas

Power-to-Gas wandelt erneuerbare Energien in grünes Gas um. Auf der Jahreskonferenz Power-to-Gas der Deutschen Energie-Agentur (dena) im Juni 2016 beklagten Branchenvertreter, dass die Strategie der völligen Elektrifizierung innovative Technologien wie Power-to-Gas bremse.

Doch wenn im Jahr 2050 tatsächlich 85 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen sollen, brauche Deutschland ca. 10 GW Power-to-Gas-Leistung, um 30 TWh Speichergas zu erzeugen. Damit werden die Schwankungen in der Produktion der erneuerbaren Energien ausgeglichen. Während die bestehenden Pumpspeicher in Deutschland maximal 0,04 TWh speichern können, liegt das Speicherreservoir des Erdgasnetzes bei 240 TWh. Damit kann das Erdgasnetz 6.000-mal so viel Energie speichern wie die Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland.

Bundesweit gibt es mehr als 20 Power-to-Gas-Projekte, von denen einige, wie die Thüga-Anlage in Frankfurt im Juni 2016, ihre Energie seit dem bestandenen „Doppelhöckertest“ als Primärregelleistung zur Verfügung stellen. Dabei wurde geprüft, ob die Anlage die Vorgaben für Regelgeschwindigkeit und -genauigkeit erfüllt. Allerdings stagniert die Anzahl der Projekte.

Die im Juli 2016 verabschiedete Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die Anfang 2017 in Kraft tritt, könnte die Lage verbessern. Damit Wind- und Solaranlagen nicht abgeschaltet werden müssen, wenn die Netze überlastet sind, soll der dann erzeugte Strom in synthetisches ERDGAS und Wasserstoff umgewandelt werden. Das EEG vergütet derzeit erneuerbaren Strom auch dann, wenn er nicht benötigt wird bzw. nicht eingespeist werden kann. Momentan fehlt es also an Anreizen, diesen Strom zu speichern.

In diesem Zusammenhang wäre eine Novellierung des EEG wichtig, in der Energiespeicher als zusätzliches Element im Energiesystem eingeordnet werden. Somit könnten die Netznutzungsentgelte, Umlagen, Abgaben und Steuern, die bislang bei Letztverbrauchern fällig werden und Power-to-Gas unnötig teuer machen, erstattet werden. Diese Umgestaltungen könnten dazu beitragen, das Power-to-Gas-Verfahren finanziell attraktiver zu gestalten.

Biomethan – grünes ERDGAS

Biomethan ist ein regional erzeugter Energieträger, dessen Produktion aus Biomasse zum Erhalt der Umwelt beiträgt und die heimische Wirtschaft stärkt. Der regenerativ erzeugte Energieträger wird in das vorhandene Erdgasnetz eingespeist und kann so deutschlandweit immer dann zur Verfügung gestellt werden, wenn er gebraucht wird. Die Einsatzfelder sind vielfältig: in der Wärme- und Stromerzeugung, als Kraftstoff, für die stoffliche Nutzung in der chemischen Industrie oder auf internationalen Biomethanmärkten. Biomethan ist ganzjährig verfügbar, regelbar und frei von natürlichen Schwankungen wie bei Sonne oder Wind.

2016 lag die Einspeisekapazität der Biomethananlagen bei ca. 120.000 Nm3/h. Gegenüber 2015 sind mit insgesamt 196 Anlagen (Stand: November 2016) zehn neue hinzugekommen. Die EEG-Novelle eröffnete für 2016 mit der vereinbarten Erhöhung des Ausbaudeckels für einen großen Teil der Bestandsanlagen eine neue Zukunftsperspektive. Auch für 2017 sind die Aussichten für Biomethan laut Branchenbarometer gut: Der Absatz dürfte in allen Marktsegmenten steigen.