Die Hemnisse müssen weg. Vereinfachung muss her.

(vl) Prof. Bettzüge, EWI, Dr. Scheer (SPD), Stratmann (HB – Moderation), Dr. Verlinden (Grüne), Dr. Lieberknecht (GdW), Dr. Kehler (Zukunft ERDGAS)

Podiumsdiskussion zur energetischen Sanierung mündet in Appell

Berlin, 26.09.2014. Über die „(R)evolution im Wärmemarkt“ sprachen Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft am 24.9. im Haus der Bundespressekonferenz. Tenor: Die Revolution ist bislang ausgeblieben, wird aber dringend gebraucht.

Vor ca. 60 Gästen diskutierten die Bundestagsabgeordneten Dr. Julia Verlinden (Grüne) und Dr. Nina Scheer (SPD) mit Dr. Christian Lieberknecht, Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), Prof. Marc Oliver Bettzüge vom Energiewirtschaftlichen Institut der Universität Köln (EWI) und Dr. Timm Kehler, Sprecher des Vorstands der Brancheninitiative Zukunft Erdgas.

„Mit dem gegenwärtigen Tempo sind die Ziele nicht zu erreichen“, konstatierte Kehler gleich zu Beginn. Eine Situationsbeschreibung, der sich alle Teilnehmer anschließen konnten. Bettzüge verwies darauf, dass es gerade im Wärmemarkt „niedrig hängende Früchte“ gebe, die bislang nicht geerntet wurden: „40 Millionen Tonnen CO2 könnten wir kurzfristig zu volkswirtschaftlichen Nullkosten einsparen, indem wir alte Kessel durch moderne Gaskessel ersetzen“, zitierte er Studienergebnisse des EWI.

Informationsdefizite abbauen, Energieberatung stärken, Anreize schaffen – das waren viel genannte Lösungsansätze. Lieberknecht konstatierte für den Mietwohnungsmarkt zusätzlich eine Lücke zwischen dem, was der Vermieter braucht und dem, was der Mieter zahlen kann. „Wir brauchen Ideen, wie wir diese Lücke verringern können“. Verbesserte steuerliche Abschreibemöglichkeiten für energetische Sanierungsmaßnahmen nannten beide Bundestagsabgeordneten als „Teil der Lösung“ (Scheer) und „ergänzendes Instrument“ (Verlinden). Das allein werde den Sanierungsstau aber auch nicht auflösen. Scheer verwies in diesem Zusammenahng darauf, dass Anreize auch diejenigen erreichen müssten, die nicht mehr im Erwerbsleben stehen und daher von steuerlichen Möglichkeiten kaum profitierten. Als weitere Hemmnisse führte Bettzüge das Investor-Nutzer-Dilemma bei Vermietern und die Verunsicherung der Hauseigentümer über die politischen Rahmenbedingungen an.

Ein Bauherr im Publikum beschrieb seine Erfahrung beim Versuch, ein energieeffizientes Gebäude zu errichten: Die Vorgaben seien zu komplex und zu wenig klar auf Ziele ausgerichtet: „Könnte man nicht einfach CO2 als Leitgröße setzen?“ fragte er. Den Schlusspunkt setze ein weiterer Gast im Publikum. Er klagte über unstete Politik und komplexe Vorgaben und appellierte: „Die Hemmnisse müssen weg. Die Vereinfachung muss her!“