Stimmen zu ERDGAS

Drei Fragen an Herrn Mitteregger von der RAG

RAG Generaldirektor Mitteregger
Quelle: RAG (photography: RAG-Archiv)

 

Herr Mitteregger, mit Ihrem Forschungsprojekt erweisen Sie sich als ein echter Vorreiter in Sachen Klimaschutz mit erneuerbarem ERDGAS. Welche Technologie steht hinter dem „Underground Sun Conversion“? 

Mit dem Forschungsprojekt "Underground Sun Conversion" soll es erstmals möglich werden, direkt in einer Erdgaslagerstätte ERDGAS durch einen von der RAG gezielt initiierten mikrobiologischen Prozess natürlich zu "erzeugen" und gleich dort zu speichern.

Mit dieser weltweit einzigartigen und innovativen Methode wird der natürliche Entstehungsprozess von ERDGAS nachgebildet, aber gleichzeitig um Millionen von Jahren verkürzt – Erdgeschichte im Zeitraffer.

Aus Sonnen- oder Windenergie und Wasser wird zunächst in einer oberirdischen Anlage Wasserstoff erzeugt. Gemeinsam mit CO2, das so einem nachhaltigen Kreislauf zugeführt wird, wird dieser Wasserstoff in eine vorhandene (Poren)Erdgaslagerstätte eingebracht. In über 1.000 Metern Tiefe wandeln nun natürlich vorhandene Mikroorganismen diese Stoffe in relativ kurzer Zeit in erneuerbares ERDGAS um, welches anschließend direkt dort in dieser Lagerstätte gespeichert, bei Bedarf jederzeit entnommen und über die vorhandenen Leitungsnetze zum Verbraucher transportiert werden kann.

Wie bewerten Sie die Zukunftsfähigkeit der Technologie? Sind weitere Projekte geplant?

Das Ziel des Forschungsprojekts ist es, vorhandene (Poren)Erdgaslagerstätten als natürliche „Reaktoren“ zu nutzen. So finden sowohl der Methanisierungsprozess als auch die Speicherung auf natürlichem Weg in unterirdischen Porenlagerstätten statt. Darin liegt das große Potenzial, welches gleichzeitig die bislang fehlende aber dringend benötige Flexibilität im Umgang mit erneuerbaren Energien schafft. Dieses Projekt läuft bis zum Jahr 2020, und daher liegt jetzt einmal der Fokus in den nächsten Jahren valide Forschungsergebnisse zu erlangen und Hinweise darauf, wie eine Nutzung in großen Speichern wirtschaftlich möglich ist.

Die Energiewende ist in aller Munde: Was meinen Sie, welche Hürden müsste die Politik noch beiseiteschaffen, um den Weg für synthetisches ERDGAS im großen Stil zu bereiten?

Wir sind ganz überzeugt davon, dass der Energieträger Gas eine weiterhin wichtige Rolle im Energiemix spielen wird und spielen muss. Insbesondere als Gas auch erneuerbar ist. Unser Ziel muss daher sein, die Politik zu überzeugen, dass die Gasinfrastruktur unbedingt erhalten werden muss, dass erneuerbares ERDGAS anderen Erneuerbaren Energien gleich gestellt werden muss und Gas auch schon jetzt einen wichtigen Beitrag zur CO2-Reduktion ermöglicht. Die Politik sollte hier nicht warten, sondern auch im Bereich Mobilität stärker auf den Kraftstoff Gas setzen.